Anfang der 60er Jahre gabes in der Bundesrepublik Deutschland einen erheblichen Wohnraumbedarf. Die Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung sprechen von einem signifikanten Zuwachs, vor allem in den Ballungsgebieten. Das Rhein-Main-Gebiet zählte neben dem Ruhrgebiet zu den am stärksten wachsenden Regionen.

Das Land Hessen mußte darauf reagieren. Der Raumordnungsplan für das Untermaingebiet und den Rodgau, zu dem auch Ober-Roden gehörte, enthielt gemeindespezifische, längerfristige Planungen für die Ausweisung von Baugebieten (Ortszentrum, Läden, Wohngebiete, Industrie- und Gewerbegebiete), für eine verkehrs- und straßenmäßige Entwicklung, für die technische Versorgung (Elektrizität, Gas, Wasser, Entwässerung, Müllabfuhr, Wärme, Telefon, Feuerwehr) und für die Folgeeinrichtungen (Kindergärten, Bürgerhaus, Friedhof und Schulen).

Daraus entsteht der Flächennutzungsplan für Ober-Roden, in dem die Gemeinde bisherige Ackerflächen als zukünftiges Gewerbegebiet und Äcker und Wiesen im Breidert als zukünftiges Wohngebiet ausweist.

Aus Ackerland wird Bau-Erwartungsland.

Georg Schallmayer

Wir schreiben das Jahr 1962. Ober-Roden war immer noch eine landwirtschaftlich geprägte kleine Gemeinde mit vielen Pendlern vor allem nach Offenbach und Frankfurt. Ein Standortvorteil ist der Bahnhof, der schon lange mit der Dreieichbahn und der Rodgaubahn eine Art Verkehrsknotenpunkt bildet.

Die politische Konstellation in Ober-Roden zu dieser Zeit, als es um Zukunftsgestaltung geht, ist ziemlich ungewöhnlich: Die CDU, die seit vielen Jahren stärkste Partei ist und im Gemeindeparlament dominiert, verliert aufgrund von Querelen das Vertrauen vieler Bürger und bei der Kommunalwahl 1964 auch die Mehrheit. Bürgermeister Georg Schallmayer zog die Notbremse und gründet am 9. Juli 1964 im Gasthaus „Zum Löwen“ eine eigene Partei, die „Ober-Rodener Bürgergemeinschaft“ (OBG). Bei der Kommunalwahl im Oktober 1964 bekommt die CDU 7 Sitze, die SPD ebenfalls 7 Sitze und die neu gegründete OBG 4 Sitze.

In den darauffolgenden Jahren kann Bürgermeister Georg Schallmayer mit seiner OBG bis 1968 in lockerer Kooperation mit der SPD wesentliche Weichen stellen.

Karl Martin Rebel

Vor allem werden Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg gebracht, die sowohl geplante bauliche Maßnahmen als auch Gewerbeansiedlungspolitik erst ermöglichen.

In Schallmayers Amtszeit fallen auch der Bebauungsplan und der Umlegungsbeschluss und damit der eigentliche Startschuss für unser Wohngebiet Breidert.

Durch den Bebauungsplan wird Bau-Erwartungsland zu konkretem Bauland.

Bei der Kommunalwahl 1968 bekommt die CDU wieder die absolute Mehrheit. Bürgermeister wird Karl Martin Rebel, der nun die schwierige Aufgabe der Umsetzung der Beschlüsse und Realisierung der Bebauung des Breidert (und des Gewerbegebietes) bewältigen muss.